Sich wagen

Du bist viel zu neugierig um Nein zu sagen. Natürlich möchtest Du gekitzelt werden und kitzeln.

„Was ist genau hinter den Türen?“

„Ich kann es Dir nicht sagen, aber ich habe eine Ahnung davon.“

„Aber wie kannst Du dann sagen, dass sich nichts Gefährliches hinter den Türen befindet?“

„Ich bin zwar noch nie durch diese Türen gegangen, aber ich schreibe das Märchen und deshalb, weiß ich, das dahinter nicht Böses zu finden ist.“

„Aber Du weißt noch mehr?“

„Du bist wirklich neugierig. Schau Dir die Türen doch einfach an.“

Du sitzt in Deinem Sessel und schaust auf fünf Metern Entfernung auf die Türen, sie sehen wie Türen aus, mehr nicht. Dunkles Holz mit einer schlichten Türklinke.“
Ich lache.

„Du musst näher herangehen.“

„Ich sehe ganz gut von hier aus.“

Ich lache wieder.

„Bitte gehe doch einfach näher heran.“

Langsam stehst Du auf und schlenderst zur ersten Tür, es ist die ganz links. Plötzlich Du hältst inne, bleibst stehen und gehst dann direkt auf die Tür zu.


„Was ist das?“
„Ich sagte doch, Du wirst mehr sehen, wenn Du genauer hinschaust.“

Das glatte Holz ist zu einem Relief geworden, es zeigt das Bild eines Herrenhauses, die Landschaft es sieht aus wie Italien, wie die Toskana. Urlaubstimmung. Einzig überraschend ist, es liegt Schnee. In der Mitte der Tür öffnet zeigt sich eine tellergroße Öffnung, eine Art Fenster. Doch da ist kein Glas, sondern eine silbrig glänzende Flüssigkeit und sie fließ nach oben nicht nach unten.

Du schaust zu mir.

„Wie machst Du das?“

Ich lächle und zucke mit den Achseln.

„Ich weiß es nicht, aber anscheinend kann ich es.“

„Kann ich durch die Öffnung greifen?“

„Aber natürlich, dafür sind Öffnungen da?“

„Du kannst fühlen, wie es sich hinter der Tür anfühlt.“

Du schaust auf die Tür, deine Hand wandert zu Öffnung. Doch plötzlich hältst Du inne. Ich ahne Deine Gedanken, Du hast Angst. Ich kann nicht anders, ich muss ein wenig spotten.

„Oh, Italien. Das ist nicht die Toskana, das ist Umbrien. Im Winter kommen die Wölfe in die Täler und ich habe gehört es soll sogar Bären geben. Wahrscheinlich wird Deine Hand sogleich zerfetzt und Dein Arm bestimmt auch. Also, ich würde es nicht machen.“

Ich kann mir ein kichern nicht verkneifen. Du schaust mich wütend an. Doch genauso schnell wie die Wut kam, ist sie verflogen. Du lachst über Dich und über mich.

„Du hast die italienischen Wintertiger vergessen.“

„Stimmt und die Winterlöwen.“

Du drehst Dich zu mir, lächelst, doch die Frage ist ernsthaft.

„Also, was erwartet mich, wenn ich durch die Öffnung greife.“

„An der dieser Tür, nun es erwartet Dich Winterluft und dass was dazugehört, lass Deine Hand ein wenig dort, eben das Du es spüren kannst. Außerdem wird etwas Deine Hand berühren, also nicht erschrecken.“

„Ok.“

„Ja, zieh Deine Hand langsam zurück. Alles was auf der anderen Seite ist bleibt auf der anderen Seite.“

Jetzt Deine Neugierde gewinnt, langsam führst Du Deine Hand durch die Öffnung.

„Oh es ist kalt.“

„Wundert Dich das, es liegt Schnee.“

Deine Hand verschwindet in der Öffnung, ein Teil Deines Unterarms. Ich sehe die Überraschung in Deinem Gesicht.

„Warte … ich spüre Schneeflocken auf meiner Haut.“

Ich sehe Du freust Dich darüber.

„Ich habe das noch nie, so gespürt. Schnee auf der Haut.“

„Das spürt man, wenn man nicht sehen kann.“

Eine Minute vergeht.

„Du, es ist wirklich kalt, darf ich zurückziehen?“

„Aber natürlich, aber warte bitte noch einen Moment und jetzt nicht schreckhaft zurückziehen.“

Sekunden vergehen und dann spürst Du da ist etwas Warmes und Weiches was sich über Deine Finger, Deine Hand, Deinen Unterarm bis zur Öffnung stülpt. Es ist ein Handschuh.

„Das ist gut, es ist ein Handschuh.“

Ich nicke. Doch dann beginnt der Handschuh zu leben. Die Finger spreizen sich, die Weichheit wir zu zarten Pinseln, die Dich an der Hand, zwischen den Fingern, an der Innenseite des Unterarms kitzeln.

„Es kitzelt!“

Du versuchst die Hand zur Faust zu ballen, doch es geht nicht. Du beginnst zu kichern.

„Zieh die Hand langsam zurück.“

Langsam ziehst Du die Hand zurück, reibst sie um das kitzlige Gefühl zu unterdrücken.

„Ok, das war nicht schlecht.“

„Aber?“

„Aber erwartet mich nur gekitzelt zu werden hinter den Türen? Das wäre etwas zu wenig.“

„Nein, es erwartet Dich auch Lust.“

Du schlenderst zurück zu Deinem Sessel, reibst immer noch Deine Hand.

„Also Sex mit Dir.“

„Nicht so schnell, nicht so schnell.“

„Was meinst Du mit nicht so schnell?“

„Wir müssen uns kennenlernen, kitzeln lernen, vertrauen lernen, lieben lernen. Deshalb erzähle ich Dir ja dieses Märchen, Du kannst es gerne ergänzen.“

„Verstehe ich das richtig, Du vertraust mir Dein Innerstes an?“

„JA.“
„Du schreibst dieses Märchen ins „off“ in der Hoffnung, dass genau ich es lese und Dich finde?“

„JA.“

„Du bist im besten Sinnes des Wortes wirklich süß, ein echter Romantiker.“

„Soll ich mich verstellen?“

„Nein auf keinen Fall, schreib Dein Märchen mit mir weiter.“

Andreas